Pressenews aus Halle - von Dirk Skrzypczak (MZ): "Kleine Autohäuser unter Druck"

Presseartikel von der MZ
Kleine Autohäuser unter Druck (Foto: MZ Halle)
HALLE/Mitteldeutsche Zeitung/04.06.2026

Kleine Autohäuser unter Druck



Mit Autoland und Peter GmbH haben zwei große Player den Automarkt Halle für sich entdeckt. Beide wollen ihre Standorte modernisieren und weiter wachsen. Was hat das für Auswirkungen?

HALLE/MZ. Auf dem Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik (Mafa) an der Merseburger Straße in Halle lärmen wieder Maschinen. Bagger sind dort im Außengelände des noch leeren Autohauses im Einsatz. Am 30. September 2025 hatte König den Standort verlassen und die Autoland AG übernahm. Im Frühjahr 2026 sollte Neueröffnung sein – doch der Termin verzögert sich. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz in Halle auch durch die Autohaus Peter Gruppe, die neu in den lokalen Automarkt drängt.

Autoland freilich zeigt sich gelassen. „Im Zuge der Arbeiten an der Niederlassung in der Merseburger Straße haben sich zusätzliche Baumaßnahmen ergeben, die für die Umsetzung unseres Qualitäts- und Sicherheitsstandards notwendig sind“, erklärt Konzernsprecher Dominik Müller. Nach derzeitigem Stand gehe man davon aus, „dass wir zum Herbst dieses Jahres öffnen“.

Bereits weniger Kunden

Peter, ein Familienbetrieb aus dem thüringischen Nordhausen, ist schon einen Schritt weiter. Am 1. Januar hatte der Autohändler das Autohaus Mundt mit seinen Häusern in Neustadt, Trotha und Merseburg übernommen. Das zeigt offenbar schon Wirkung in Halle. „Wir merken, dass wir weniger Kunden haben. Der Druck steigt“, hört man von kleineren Autohändlern.

Tatsächlich könnten Autoland und Peter GmbH die Autohauslandschaft in Halle verändern. Beide sind auf Expansionskurs. Peter hat 30 Standorte in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Autoland, das vor allem auf den Gebrauchtwagenmarkt setzt, hat 37 Niederlassungen. Im Gespräch mit der MZ kündigte der frühere Bundesfinanzminister Christian Lindner, der neue starke Mann bei Autoland, weitere Investitionen an.

„Wir sind klar die Nummer eins in der Region. Jetzt dehnen wir unsere Präsenz Schritt für Schritt nach Westen aus. Ende 2026 sollen es bereits 45 Standorte sein. 2035 dann bereits 120 Filialen. In einem zunehmend schwierigen Markt, bestimmt auch durch die aktuelle Wirtschaftskrise, sieht Lindner gute Chancen: „Die Mobilität mit dem Auto ist in den vergangenen Jahren immer teurer geworden. Immer mehr Menschen ziehen einen qualitativ hochwertigen Gebrauchtwagen vor.“

Christina Dost, Geschäftsführerin bei der Autohaus Peter GmbH, macht auch andere Erfahrungen. „Das Auto ist weiterhin des Deutschen liebstes Kind. Und es gibt noch immer ein Klientel für Neuwagen. Vor allem für deutsche Qualität“, sagt sie. Angst vor Autoland habe man nicht. „Halle gibt das definitiv her. Aber ich verstehe, wenn sich kleinere Autohäuser Sorgen machen. Viele können schon jetzt die Auflagen der Hersteller nicht mehr erfüllen.“

Peter jedenfalls ist gekommen, um zu bleiben. Noch in diesem Jahr werde man den Standort Merseburg modernisieren. 2027 sei dann Neustadt an der Reihe. „Die Autohäuser haben noch den Charme der 1990er Jahre. Hier müssen wir etwas tun. Und wenn wir damit fertig sind, werden wir mit großen Events auch aufschlagen“, kündigt Dost an. Von Autohaus Mundt hatte die Auto-Familiendynastie alle 60 Mitarbeiter übernommen. 40 weitere Stellen sollen geschaffen werden.

Kfz-Zulassungen steigen

Horrende Spritpreise, unsichere Jobs durch Krisen wie in der Chemie und steigende Lebenskosten schlagen indes noch nicht negativ auf den halleschen Automarkt durch. So wurden im vergangenen Jahr 24.568 Autos in der Stadt zugelassen, ein Plus von 33 Prozent zu 2024 (16.467 Anmeldungen) und der höchste Stand seit Jahren. In den ersten fünf Monaten 2026 hielt der Aufwärtstrend an.

Den erheblichen Sprung führt die Stadtverwaltung auf Neuregelungen für Tageszulassungen zurück. Die laufen mittlerweile auch vollautomatisch über das Onlineportal. 80 Prozent dieser Zulassungsart werden in Halle über das Internet abgewickelt - man spart sich den Termin in der Behörde.

Bei den Antriebsarten haben Benziner weiter klar die Nase vorn (2025 waren es 12.457 Zulassungen). Der Diesel ist auf dem absteigenden Ast (4.882), während Hybride (3.009) und reine E-Mobile (2.083) im Stadtgebiet mehr werden.